Bauupdate 11 | Fenster für die Ukraine

Alte Fenster, neue Hoffnung: Ein zweites Leben in der Ukraine

Im Rahmen der Sanierung unseres Kreisschulhauses in Seedorf wurde ein besonderes Hilfs- und Nachhaltigkeitsprojekt umgesetzt: Rund 60 voll funktionsfähige Fenster wurden nicht einfach entsorgt, sondern sorgfältig ausgebaut und traten am Mittwoch, 16. September 2026, ihre Reise in die Ukraine an. Dort helfen sie in der kriegsbetroffenen Region Dnipro dabei, beschädigte Gebäude wieder bewohnbar zu machen und Menschen vor Wind und Kälte zu schützen.

Über diese Aktion und die Zusammenarbeit zwischen Schule, Planern, Handwerk und Hilfsorganisationen berichtete das Urner Wochenblatt (Ausgabe vom Samstag, 19. September 2026).


Die Hintergründe: Architekt Lionel Bapst über die Idee

Dass aus den Sanierungsarbeiten an unserer Schule ein solches Kreislauf- und Solidaritätsprojekt entstehen konnte, verdanken wir wesentlich der Initiative unseres Architekten. Lionel Bapst (Partner und Generalplaner bei G&A Architekten AG) erklärt die Hintergründe und fasst den Gedanken hinter der Aktion zusammen:

«Manchmal beginnt zirkuläres Bauen mit einer einfachen Frage: Was passiert mit einem Fenster, wenn es ausgebaut wird? Normalerweise endet seine Geschichte hier im Abfall. Bei der Kreisschule Seedorf wollten wir diese Geschichte weiterschreiben: Rund 60 Fenster wurden vor Ort verladen und auf die Reise in die Ukraine geschickt.

Das Vorhaben zeigt eindrücklich den dreifachen Mehrwert des zirkulären Bauens:

  • Ökologisch: Wertvolle Ressourcen und die gebundene graue Energie bleiben erhalten, statt Bauschutt zu erzeugen.
  • Wirtschaftlich: Bauteile behalten ihren Wert, statt Entsorgungskosten zu verursachen. Gleichzeitig entsteht praxisnahes Know-how für den selektiven Rückbau.
  • Sozial: Die Fenster lagern nicht irgendwo, sondern leisten einen unmittelbaren Beitrag zum Wiederaufbau vor Ort.

Genau darin liegt die Stärke dieses Ansatzes: Es geht nicht nur darum, weniger zu verbrauchen – sondern den Wert des Bestehenden neu zu erkennen. Dass daraus Wirklichkeit wurde, verdanken wir allen engagierten Partnern:

  • der Kreisschule Seedorf (Bauherrschaft unter Präsident Manfred Arnold)
  • der HHM Gemeinwohl-Initiative (finanzielle Ermöglichung)
  • der Schreinerei Berther AG (fachgerechter Rückbau)
  • dem Verein Re-Win (Logistik und Transport)

Für mich persönlich steht fest: Es war sicher nicht das letzte Mal, dass ich mich für Re-Use und zirkuläres Bauen starkmache.»